Kinderarbeit und Schokolade: Wir bringen Licht ins Dunkel!
Heiß, kalt, süß oder bitter, mit Salz oder Zucker – unser Schokogenuss kennt keine Grenzen und hat zu Muttertag, Ostern und Weihnachten Hochsaison. Die Bohnen des Theobroma Cacao, was so viel heißt wie „Speise der Götter“, sind in aller Munde. Na ja, eher in denen der reichen Industrienationen. Im Durchschnitt isst jede und jeder Deutsche pro Jahr rund hundert Tafeln Schokolade (insgesamt mehr als neun Kilogramm). In Europa genießen wir die „Schokoladenseite“, kennen aber auch längst die dunkle, die in jeder Tafel steckt: Entwaldung, Sklaven- und Kinderarbeit.

Wer ist für den „Schock“ in Scho(c)kolade verantwortlich?
Kakaobauern haben alle Hände voll zu tun, denn Kakaobäume sind Mimöschen: Sie entwickeln ihre Früchte erst nach einigen Jahren, ausschließlich innerhalb von 20 Breitengraden um den Äquator und benötigen gute Böden, ausreichend Wasser und warme Temperaturen.
Weltweit leben circa sechs Millionen Familienbetriebe vom Kakaoanbau. Sie tragen das Risiko von politischen Unsicherheiten, klimabedingten Ernteausfällen sowie Überproduktionen, die für chaotische Schwankungen des Kakaopreises verantwortlich sind. Das große Geld dagegen machen die Zwischenhändler und Schokoladenfabrikanten. Für eine Tafel erhalten Kakaobauern meist nur circa sechs Prozent des Endpreises, entspricht im Schnitt rund acht Cent.

Kakaobauern hängen stark vom Kakao-Marktpreis ab, der seit Jahren stark schwankt
und viel zu niedrig ist. (Quelle: © INKOTA-netzwerk)
Das hat Folgen: Um davon zu überleben, sind Kakaobauern gezwungen, Ausgaben zu reduzieren und Erträge zu steigern. In Ghana und der Republik Côte d‘Ivoire werden circa 60 Prozent des weltweiten Kakaos angebaut. Der Großteil der Ernte stammt aus illegalen Quellen, oft von Kakaoplantagen, für die Wald abgeholzt wird. Wegen des Kakaoanbaus verschwindet in Westafrika aber nicht nur Regenwald, sondern viel zu oft auch die Chance auf eine sichere Kindheit und gute Ausbildung.
Eine Kindheit für Schokolade
Stellen wir uns vor, es ist kaum Geld zum Essen für die Familie da. In diesem Szenario gibt es kaum eine Wahl zwischen Schulgeldzahlungen oder die Kinder zur Arbeit zu schicken, um sie nicht verhungern zu lassen. Allein in Ghana und Republik Côte d’Ivoire arbeiten circa 1,6 Millionen Kinder im Kakaoanbau (tagesschau 2022, International Cocoa Initiative). Auf jeder zweiten Kakaofarm schleppen Kinder dort schwere Kakaosäcke, arbeiten mit gefährlich scharfen Macheten und werden teilweise sogar entführt, um als Kindersklaven zu arbeiten.
Zuckersüße Versprechen – nichts dahinter!
Die großen Schokoladenkonzerne tun nicht wirklich etwas gegen dieses Elend. Zwar versprachen Hersteller wie Mars und Nestlé bereits 2001 mit dem Harkin-Engel-Protokoll, Kinderarbeit zu beenden. Doch trotz aller Bekräftigungen nahm Kinderarbeit im Kakaosektor in den Jahren 2013/2014 bis 2018/2019 sogar um 14 Prozentpunkte zu (NORC-Studie 2018/2019). Diese Zahlen bewegen sich bis heute leider auf einem weiterhin hohen Niveau.

Das sind die größten Verletzungsrisiken für die Millionen Kinder, die in Westafrika auf Kakaoplantagen arbeiten müssen. (Quelle: INKOTA-netzwerk)
Ein kleiner Lichtblick? 2019 schlossen sich Ghana und Côte d’Ivoire zusammen, um – ähnlich wie die OPEC beim Öl – mehr Einfluss auf den Weltmarktpreis für Kakao zu gewinnen. Seitdem erheben sie einen sogenannten „Living Income Differential“ (Aufschlag zur Existenzsicherung) auf den Kakaopreis. Welche langfristigen Auswirkungen dies auf die Lebensbedingungen der Kakaobauern hat, ist noch nicht abschließend geklärt. (Nachtrag 2026: Erste Auswirkungen des Aufschlags sind inzwischen sichtbar. Die Einkommen der Kakaobauern in Ghana und Côte d’Ivoire konnten teilweise erhöht werden. Eine grundlegende Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ist jedoch bisher ausgeblieben.)
Aber welche Schokolade darf jetzt ohne schlechtes Gewissen in den Einkaufswagen? Wer sich als Verbraucherin und Verbraucher informieren möchte, kann sich zum Beispiel bei The Chocolate Scorecard informieren. Dort wurden die größten Schokoladenhersteller der Welt befragt, um herauszufinden welche Schokolade frei von Kinderarbeit, Armut und Abholzung ist.
Es geht auch anders: Mit Kakao die Welt retten
In unseren Kakao-Projekten in Peru und Panama zeigen wir: Es geht auch anders! Statt Bäume zu fällen, haben wir in Peru mit unseren Kakaowäldern ehemalige Kuhweiden begrünt und bewirtschaften diese nach und nach ökologisch. Nicht so einfach, weiß unsere Projektmanagerin Marisol Najarro: „Klimaschwankungen, die unsere Kakaobäume anfälliger für Krankheiten machen, Großkonzerne, die den Preis drücken und es uns erschweren, zu einem würdigen Kakaopreis zu verkaufen und natürlich nach wie vor die Auswirkungen von Corona, stellen uns immer wieder vor Herausforderungen.“

Dieses Gruppenbild entstand bei einem Familien-Workshop zum Thema Kinderarbeit in Peru.
Ein Kinderspiel ist unser Vorhaben nie gewesen!
Aber mit der Hilfe zahlreicher Investorinnen und Investoren, denen fairer Kakao genauso wichtig ist wie uns, können wir sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze in Peru und Panama schaffen. Kinderarbeit ist in unseren Projektgebieten tabu!
Dennoch gibt es im ländlichen Peru viele junge Eltern, die wenig über Kinderrechte wissen. „Deswegen ist es wichtig, die Menschen auf das Thema Kinderarbeit und Kakao aufmerksam zu machen“, sagt Marisol, die selbst Mutter ist und als Peruanerin ihr Heimatland wie die Projektregion San Martín gut kennt.

„Wir laden Eltern und Kinder zu Workshops ein. Zusammen mit einer Lehrerin, einer Psychologin und einem Umweltingenieur machen wir auf die Bedeutung von Bildung, einer gesunden Umwelt und Kinderrechten aufmerksam.“ Marisol Najarro
Unser Kakao mag damit vielleicht nicht die Welt retten, aber er macht sie zumindest für einige Familien in Panama und Peru zu einem besseren Ort!
Macht mit und schützt mit uns mit uns Kakaowälder, die für alle süß sind: für euch UND die Kinder in Peru und Panama.
